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COVID-19
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Testpflicht in der KITA: Für eine familienfreundliche Umsetzung

Zahnärztin Dr. Florentine Carow-Lippenberger aus Flein berichtet von Sinn und Unsinn der Testungen ihrer Kinder und schildert ihre eigenen Erfahrungen. Die Vorstandsreferentin für Frauen und Angestellte der KZV BW hat sich auf kommunaler Ebene für die Anerkennung der von ihr als Zahnärztin durchgeführten Tests stark gemacht und gibt uns einen Einblick in den Alltag des Testens.

Von Dr. Florentine Carow-Lippenberger

Anfang Januar begann alles noch entspannt:  Die Kinder wurden von uns zuhause drei Mal wöchentlich – montags, dienstags und freitags – getestet. Das Drama begann schließlich mit dem ersten positiven Corona-Fall im Kindergarten und der damit einhergehenden 5-tägigen Testpflicht bei „offizieller Stelle“. Pro positivem Fall verlängert sich diese Pflicht, was speziell in unserem Kindergarten seit Mitte Januar Dauerzustand ist, denn alle paar Tage tauchte dann wieder ein positiver Fall auf. Laut Gesetzgeber ist eine Zahnarztpraxis Leistungserbringer nach §6 CoronaVO und dazu berechtigt, Corona-Testzertifikate auszustellen. Unsere Gemeinde sieht das allerdings anders und akzeptiert die Zertifikate der „ärztlich tätigen Eltern“ nicht, sondern sieht diese als Selbsttest (laut CoronaAbsonderungsVO) an, sogar dann, wenn die Praxis eine offizielle Bürgertestung anbietet. So sind wir seit Mitte Januar täglicher Gast in einem Kosmetikstudio, um unsere Kinder „professionell“ und „offiziell“ testen zu lassen, was zeitlich natürlich zusätzlich organisiert werden muss und bei den Kindern mittlerweile auch teilweise auf Widerstand stößt.

Die Regeln zur Testung in Kindertagesstätten wurden in den vergangenen Wochen bekanntermaßen öfter angepasst. Wir waren auch einen Tag in Quarantäne, da mehr als fünf Fälle in unserem Kindergarten zeitgleich auftraten. Diese wurde aber vom Landesgesundheitsamt beendet, da ab diesem Zeitpunkt dann nur noch positive Kinder in Quarantäne mussten, keine Kontaktpersonen mehr. Offensichtlich wurden auch weniger sinnvolle Regelungen erkannt und etwas abgemildert, was aber an der anfänglichen Umsetzungspflicht nichts änderte, wie zum Beispiel, dass Kinder nach Auftreten eines positiven Falles im Kindergarten fünf Tage lang jeden Tag zum Schnelltest gehen mussten, auch wenn die Kinder überhaupt nicht in den Kindergarten gegangen sind (sonst hätte dem Kind ein 14-tägiges Betretungsverbot in der Einrichtung gedroht). Das wurde dann glücklicherweise auch wieder abgeschafft. Es reicht aber auch nicht, den einen Tag morgens zum Testen zu gehen und am anderen Tag nachmittags. Zumindest in unserem Kindergarten ist täglich die gleiche Uhrzeit auf dem Nachweis gewünscht (ich musste schon mal an einem Tag zweimal zum Testen), da der Test nur 24 Stunden gültig ist.

Ich gehe davon aus, dass das bis zum 19. März so weiter geht. Dieses tägliche Warten auf den zweiten Strich auf dem Test und somit die allmorgendliche Frage: „Kann ich überhaupt zur Arbeit?“,  ist auf Dauer sehr anstrengend und macht die Planung in der Praxis nicht gerade einfacher.

Mitte Februar war es dann bei meiner Tochter soweit, der zweite Strich erschien. Es war an einem Sonntag, da konnte ich dann schon etwas für die Woche umorganisieren, gegen Ende der Woche blieb mein Mann für zwei Tage zuhause und ich konnte dann arbeiten gehen. Ruhe vor dem Testen hatten wir trotzdem nicht, denn mein Sohn war ja noch nicht positiv. So testete ich weiterhin ihn und mich täglich zuhause, insgeheim schon in der Hoffnung, dass er auch schnell positiv sein würde, so dass die Quarantäne sich so wenig wie möglich in die Länge ziehen möge. Aber er blieb tapfer negativ. Nach der Infektion geht es natürlich weiter mit dem Testen, denn der Genesenennachweis zählt ja erst ab dem 28. Tag nach dem Positivabstrich. Also geht das Warten mit dem zweiten Kind und das Testen mit beiden erstmal weiter, denn es kommen alle paar Tage immer noch Mitteilungen über positive Testergebnisse aus dem Kindergarten.

Die Tatsache, dass ich die Tests, die ich als Arbeitgeberin bei meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rahmen der Testpflicht durchführen muss und darf, aber mit meinen eigenen Kindern in eine Testzentrum muss, sorgt bei mir und meinen Kollegen für großes Unverständnis. Meine Fachlichkeit wird in der Person als Mutter in Frage gestellt, ebenso meine Glaubwürdigkeit wahrheitsgetreue Aussagen zu machen oder die Tatsache, dass ich den Test korrekt und vorschriftsmäßig durchführe. Die Konfrontation der Gemeinde (dem Träger der KITA) mit der rechtlichen Auffassung unserer Kammer und den entsprechenden Verordnungsnachweisen gründete in eine Anfrage an das Sozialministerium, ob die Testnachweise der „eigenen Eltern als Leistungserbringer“ zu akzeptieren sind. Diese Anfrage wurde Anfang Februar gestellt, die Antwort blieb bislang noch aus.