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Jung, angestellt – und Zahnärztin

Angestellte Zahnärzt*innen machen rund ein Viertel der Zahnärzteschaft aus – Tendenz steigend. Die Gründe für eine Anstellung sind vielfältig. Wir haben bei Anita Hartel (30) nachgefragt. Im Gespräch berichtet uns die junge Zahnärztin von der ersten Phase des Berufslebens nach dem Studium, vom Angestelltenverhältnis und ihren Plänen für die Zukunft.

Anita, wir kennen uns noch aus Schulzeiten. Danke, dass Du Dich für das Interview bereit erklärt hast. Warum hast Du Dich für eine Anstellung entschieden?

Meine erste Motivation für eine Anstellung war, Erfahrungen zu sammeln und möglichst viele verschiedene Facetten der Zahnmedizin mitzubekommen, weil das dann doch nochmal anders ist, als man sich das im Studium vorgestellt hat. Unter meinen Bekannten ist das zum Beispiel so: Wenn jemand PARO machen will, dann geht er in eine PARO-Praxis und spezialisiert sich, auch im Hinblick auf seine oder ihre spätere Niederlassung. In meiner Praxis gibt es einen Schwerpunkt auf Patient*innen, die pflegebedürftig oder im Alltag eingeschränkt sind. Das ist ein Behandlungsbereich, der vielleicht noch zu wenig Beachtung findet. Daher finde ich das fachlich sehr spannend.

Wie bist Du auf die Praxis gekommen?

Das lief über eine Empfehlung. Ich habe meinen Anästhesie-Kollegen gefragt, ob er eine Praxis kennt, die Vollnarkose anbietet. Ich glaube, das geht ganz oft über Kontakte.

Was erwarten angestellte Zahnärzt*innen?

Es geht vor allem um den fachlichen Austausch mit einem*r Kollegen*in. Die meisten erwarten eine gute Zusammenarbeit, und ich denke, das klappt auch überall.

Was sind die Vorteile einer Anstellung, wo siehst Du die Nachteile?

Der Vorteil ist sicherlich, dass man sich um das ganze Drumherum nicht kümmern muss: Das heißt Bürokratie, Rechnungen schreiben – also die ganze Verwaltungsarbeit. Das Schöne ist: Man geht in die Praxis und kann sich ganz auf den*die Patient*in konzentrieren. Ein großer Vorteil der Anstellung ist natürlich auch der fachliche Austausch. Da könnte man zwar einwenden, dass es zu Konflikten kommen kann, weil der*die Praxisinhaber*in anders behandelt, als man es selber machen würde. Für mich überwiegen da aber ganz klar die Vorteile.

Wo siehst Du dich in Zukunft: angestellt oder niedergelassen?

Ich kann mir gut vorstellen, mich niederzulassen. Das Problem ist natürlich das Finanzielle. Und man muss einen passenden Ort finden, die Räumlichkeiten müssen stimmen.

Was braucht es da an Unterstützung?

Viele übernehmen die Praxis ihrer Eltern und bekommen da schon einiges mit. Wichtig ist ja, dass man eine ordentliche Arbeit macht und seine Angestellten angemessen bezahlt. Aber wenn man keine Praxis erbt, muss man bei null anfangen. Und die „Wirtschafts-Skills“, das Unternehmerische, das lernt man im Studium nicht. Unter meinen Kolleg*innen und Bekannten aus dem Studium ist das aktuell auch kein Thema, die Niederlassung ist da eher auf lange Sicht geplant.

Wird das Thema Niederlassung im Studium diskutiert?

Teilweise ja, weil die Eltern schon eine Praxis haben. Aber für viele stellt sich die Frage erst nach dem Studium, wenn man anfängt zu arbeiten. Es würde helfen, wenn das etwas mehr im Studium thematisiert würde: So sind die Strukturen in der Klinik, so läuft das in der Niederlassung, als angestellte*r Zahnärzt*in hat man diese Rechte und Pflichten und so weiter. Das würde einen eher auf die Realität vorbereiten. Auch der Bereich Versicherungen – Berufsunfähigkeit und Berufshaftpflicht – sind nach dem Studium so Themen, mit denen man sich als Absolvent*in erst mal auseinandersetzen muss und sich fragt: Was will und was kann ich mir leisten?

Wie ist die Stimmung unter jungen Zahnärzt*innen?

Die Stimmung ist sehr gut, weil wir alle motiviert sind, uns der zahnmedizinischen Versorgung zu widmen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Alexander Messmer.