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„Auch mal über den Tellerrand der Praxis hinausschauen“ – Interview mit Dr. Anke Bleicher

Dr. Anke Bleicher ist Vorstandsreferentin für Qualitätsprüfung und -beurteilung. Im Interview erzählt sie von ihrem Weg ins Ehrenamt und den positiven Aspekten dieser Tätigkeit.

Frau Dr. Bleicher, wie sind Sie zum Ehrenamt gekommen?

Der Vorstand ist auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich mir die Tätigkeit als Vorstandsreferentin für Qualitätsprüfung und -beurteilung vorstellen könnte. Ich habe zwar um eine Nacht Bedenkzeit gebeten, um zu überlegen, ob ich die Aufgabe mit der Praxis unter einen Hut bekomme. Aber eigentlich war mir auf Anhieb klar, dass ich die mir angebotene Aufgabe übernehmen möchte.

Gab es Hürden?

Hürden? Nein. Wer sollte die einem stellen? Der Vorstand ist ja auf mich zugekommen. Und ich konnte mir schon immer vorstellen, in der Selbstverwaltung aktiv zu werden. Das ist das Wesentliche: Dass man sich selbst über das Engagement im Klaren ist, dass man mitgestalten möchte, dass man sich aktiv einbringen will. Wenn diese Voraussetzung gegeben ist, wenn der Wille dazu da ist, dann sehe ich keine „Hürde“. Allenfalls eben die Frage, wie man die Aufgabe organisatorisch mit der eigenen Praxistätigkeit vereinbaren kann, die ist aber sehr individueller Natur.

Wie viel Zeit nehmen die Aufgaben in Anspruch?

Man könnte ja denken, die Arbeit mit dem Gremium und dem Referat für Qualität ist eine zusätzliche Belastung – tatsächlich ist es alles andere als zeitraubend oder belastend. Ich empfinde es ganz im Gegenteil als große Bereicherung. Die Arbeit ist sehr gut in den Praxisalltag integrierbar. Die Anzahl der Termine ist überschaubar und sie werden mit langer Vorlaufzeit vereinbart.

Welche positiven Aspekte würden Sie hervorheben?

Mein Eindruck ist, dass der Austausch mit anderen Zahnärztinnen und Zahnärzten für alle Mitglieder des Gremiums eine Bereicherung ist. Es ist ja ein Merkmal der Freiberufler, und der Zahnärztinnen und Zahnärzte im Besonderen, wenn sie nicht gerade in großen Praxen arbeiten, dass der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen recht überschaubar ist. Man bekommt durch eine ehrenamtliche Tätigkeit auch viel ‚am Rande‘ mit. Da habe ich mir schon zu dem ein oder anderen Thema gute Anregungen geholt, bin aber bei anderen Dingen auch in meiner Vorgehensweise bestärkt worden. Generell bedeutet Engagement in der Selbstverwaltung ein hohes Maß an Austausch, und das fruchtet immer.

Was genau sind Ihre Aufgaben?

Meine Aufgabe ist vor allem kommunikativer Natur. Zum einen betreue ich die Mitglieder des Gremiums, zum anderen bin ich das Bindeglied zwischen dem Vorstand, dem Gremium und dem Referat für Qualität bzw. der „Gesonderten Stelle“. Es kann auch vorkommen, dass ich Gespräche mit Vertreter*innen der Krankenkassen führe, die zu den Sitzungen des Qualitätsgremiums zwei ständige zahnärztliche Vertreterinnen oder Vertreter ohne Stimmrecht entsenden können. Als sich das Gremium neu gegründet hat, sind wir beim ersten Zusammentreffen in unsere Arbeit eingewiesen worden. Im Anschluss daran hat jeder von uns in Frankfurt bzw. Köln an Infoveranstaltungen der KZBV teilgenommen, bei denen die Thematik ausführlich erörtert wurde und wir Beispieldokumentationen beurteilt haben.

Im Austausch miteinander haben wir die Arbeitsabläufe des Gremiums strukturiert. Gerade diese Pionierarbeit war besonders spannend. Sie ist auch noch nicht abgeschlossen. Mit jedem Prüfjahr werden die Abläufe verfeinert. Im letzten Jahr haben wir coronabedingt sogar Sitzungen per Videokonferenz abgehalten. Doch trotz aller Vorteile der Technik: Ich freue mich darauf, wenn sich das Gremium wieder in persona trifft.

Was raten Sie jungen Kolleg*innen, die Lust haben, ein Ehrenamt zu übernehmen?

Es gibt da keine Hürden. Ich rate allen einfach, auf den Vorstand oder andere, bereits ehrenamtlich tätige Kolleginnen und Kollegen, wie die Bezirksgruppenvorsitzenden, zuzugehen. Wenn einen ein bestimmter Bereich interessiert, können die vielen Referentinnen und Referenten der KZV BW ganz bestimmt weiterhelfen. Man kann ja selbst bestimmen, wie viel Zeit man investieren möchte. Das Schöne ist wirklich der Austausch. Auch bei uns im Gremium ist man nie allein, da hat man die Kolleginnen und Kollegen um sich und kann sich manche Dinge auch mal aufteilen. Das Ehrenamt bietet einem die Möglichkeit, auch mal über den Tellerrand der Praxis hinauszuschauen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Alexander Messmer